Geld richtig anlegen

Das Ziel im Blick

AnlagestrategieIm Blog – „Lernen von Warren Buffett“ – habe ich mich zu allgemeinen anlagestrategischen Überlegungen geäußert und versucht, Ihnen mögliche Ängste vor Kursschwankungen zu nehmen. Heute will ich konkreter werden.

Angenommen ein Anleger verfügt aus einer abgelaufenen Lebensversicherung, eines Hausverkaufes, einer Abfindung, Schenkung, eines Erbes oder schlicht Ersparnissen über einen gewissen, zur Anlage freien, Betrag von beispielsweise 10.000 Euro, 20.000 Euro, 50.000 Euro oder mehr und könnte zudem oder ausschließlich monatlich einen festen Betrag sparen. Wie sollte er vorgehen?

Losgelöst von der Höhe des Betrages, stets gilt es in einem ersten Schritt das Spar- bzw. Anlageziel bzw. auch verschiedene Spar- bzw. Anlageziele festzulegen, denn ohne klare Zielformulierung kein optimaler Weg! Welche Ziele könnten dies sein und wie wirken sich diese auf die Wahl der Strategien aus?
Am sinnvollsten ist hier die Differenzierung nach der zeitlichen Erstreckung der Sparprozesse bzw. Anlagedauern. So unterscheidet man nach unbefristeten – wie z.B. der Liquiditätsreserve – nach kurzfristigen (bis 2 Jahre), mittelfristigen (2 bis 8 Jahre) und langfristigen Zielen (über 8 Jahre).
Grund hierfür ist, dass aus den genannten Laufzeiten unterschiedliche Anforderungen an Lösungen erwachsen: Während für die Liquiditätsreserve und kurzfristigen Anlagezeiträumen die Wertstabilität über allem steht und der Zins (aktuell zwischen 0,0 und 0,5%) eher nebensächlich ist, sind bei langfristigen Spar- bzw. Anlagezeiträumen der Ertrag und ganz andere Kriterien relevant.

Bedeutung des langfristigen Ertrags: Dies zeigt sich z.B. bei einer 30-jährigen Anlage von 10.000 Euro, die bei
0% Zins: 10.000,00 Euro  / 1% Zins: 13.478,50 Euro  /  3% Zins: 24.272,60 Euro /  6% Zins: 57.434,90 Euro  erbringt.

Relevanz der breiten Streuung

Warum? Je länger die Spar- bzw. Anlagezeiträume sind, desto stärker ist die Bedeutung zukünftiger nationaler bzw. weltwirtschaftlicher, steuerlicher bzw. politischer Veränderungen, auf die wir keinen Einfluss haben, für den Erfolg unserer Anlageentscheidungen. Man denke an den möglichen Brexit, die Entwicklung des Arbeitsmarktes und der Inflation speziell Amerikas, etwaige Zinsentscheidungen von Frau Yellen (FED), Herrn Draghi (EZB), die Entwicklung des Ölpreises, das Wachstum in China und Indien.
All das zeigt – und zwar unterschiedliche – Wirkung auf die verschiedenen Anlageklassen wie Bankeinlagen, verzinsliche Wertpapiere, Immobilien, Rohstoffe, Edelmetalle und unternehmerische Beteiligungen, insb. Aktien.
Mithin sollen wir der alten Bauernregel folgen: „Tu nicht alle Eier in einen Korb!“; sprich: Wir müssen mit einer breiten Streuung eine „Atomisierung“ des Gesamtrisikos verfolgen – übrigens die einzige Absicherung, die kein Geld kostet. All dies wird von den Fachleuten unter dem Begriff Diversifikation gefasst.
Wie kann Diversifikation funktionieren? Eine breite Streuung sollte über eine Aufteilung unserer Anlage- und Sparbeträge in mehrere Regionen der Welt und damit in aller Regel in verschiedene Währungen in unterschiedlichste Branchen – z.B. Industrien, IT Branchen, Finanzdienstleistungen,  Anlageklassen – also Nominal- bzw. Geldwerte, Realwerte wie Aktien, Immobilien, Edelmetalle , erfolgen, die – wie gesagt – bei unterschiedlichen Zukunftsszenarien unterschiedlich – positiv bzw. negativ – reagieren.

Bedeutung von Schwankungen

Geldanlage

Bildquelle: Finanzportal24 GmbH – Finanzplaner-Software PRO

Weniger wichtig ist bei längerfristigen Anlagen m. E. die durchgehende, jederzeitige Wertstabilität. Welchen Einfluss die Verfolgung dieses Ziels – gepaart mit einer zusätzlichen Mindestverzinsung – haben kann, zeigen die Probleme, mit denen sich zurzeit die Lebens- und Rentenversicherer konfrontiert sehen.
Anders beim monatlichen Sparen. Hier ist die laufende Schwankung des besparten Produktes sogar vorteilhaft, macht doch der Sparer eines volatilen Aktienfonds-Sparplanes grundsätzlich alles richtig. Denn er kauft mit einem monatlich konstanten Betrag in den Kurstälern relativ viele (günstige) Fondsanteile und bei hohen Kursen automatisch relativ wenige Fondsanteile.

Dies ist ohne Frage schlau! Denn – so zeigt das Schaubild – der Sparer erzielt einen merklichen Gewinn, obwohl sein Einstiegskurs über dem Verkaufspreis liegt! Benannt wird dieses Vorgehen als „cost-average-Methode“.

Weitere relevante Entscheidungskriterien:

Vor dem Hintergrund der Dynamik der Globalisierung der Welt und der sich auch zukünftig mit wachsensendem Tempo vollziehenden Änderungen der Rahmenbedingungen für Spar- und Anlageprozesse ist auf einige weitere Punkte zu achten. Dies sind z.B.

 

 

  • die sich möglicherweise verstärkende (gefühlte/tatsächliche) Inflation
  • die Bonität der Produktgeber, bei verzinslichen Anlagen der Schuldner u. ggf. Garantiegeber
  • die Anpassungsfähigkeit des Produktes an die sich ändernden Rahmenbedingungen
  • die Flexibilität der Produkte und etwaige Mitwirkungsmöglichkeiten bei deren Strukturierung

Welche Anlageprodukte eignen sich für eine längerfristige Vermögenanlage bzw. einen entsprechenden Vermögensaufbau?

Prädestiniert hierfür sind verschiedene, international investierende, offene Aktien- bzw. Mischfonds oder – noch besser – Portfolios, also zielgerichtet Zusammenstellungen, aus diesen. Beispiele wären hier

  • internationale Large-Cap-Fonds (Großunternehmen)
  • Nebenwerte-/Small Cap-Fonds
  • Schwellenländer-/Emerging-Market-fonds,
  • Hemisphärenfonds, wie z.B. Asien- bzw. Pazifikfonds
  • Fondsgebundene Vermögensverwaltungen.

Wenn Anlegern die auch zukünftig immer wieder auftretenden stärkeren Schwankungen an den Börsen – insbesondere bei Einmalanlagen – ein ungutes Gefühl bereiten, sind ausgewählte, von den Kapitalmärkten weitestgehend unabhängigen „Alternativ Investment Fonds“, kurz AIFs geeignet.

Sparplan und Einmalanlage

GewinnzoneDer Sparplan ist aus besagten Gründen tendenziell offensiver (Schwankungsintensiver/volatiler) auszurichten, die Einmalanlage tendenziell defensiver (schwankungsärmer). Denn Anlagebeträge gewinnen im Gegensatz zu Sparplanen aus Schwankungsintensität des Produktes keinen systematischen Vorteil – sie profitieren allein aus langfristigen Kurssteigerungen und Dividendenerträgen.
In dem Bestreben, das Risiko weiter zu streuen und damit zu reduzieren, kann man offene Investmentfonds und AIFs – neben der Streuung innerhalb der Fondsgruppen – auch noch miteinander kombinieren. Gern machen wir Ihnen hierzu individuelle Vorschläge.
Welche Vermögensbildungsstrategien und Produkte zur Realisierung des vorstehend Gesagten nun am geeignetsten sind, hängt von

  • dem jeweils aktuellen Anlagebedingungen
  • dem dann geeigneten Produktangebot sowie
  • Ihren persönlichen Wünschen Zielen ab.

Entsprechend können nähere Informationen und konkrete Vorschläge nur in einem persönlichen Gespräch gemacht werden.
Welche Rolle im Einzelfall noch staatliche Förderungen spielen können, hierzu in einem der folgenden Blogs.

Mit freundlichen Grüßen

Brugerbild

Ihr Wolfgang Bruger & Team