2017 kann kommen2017 hat begonnen. Was bedeutet das für die persönliche Finanz- und Anlagesituation? Immer häufiger stößt man seit geraumer Zeit auf Unverständnis, gelegentlich gar Verzweiflung über den Wahnsinn der weltpolitischen, finanzwirtschaftlichen Verhältnisse! Bezüglich der Geldanlage macht das Wort vom „Anlagenotstand“ die Runde. Wenngleich sich die Märkte nicht nach dem Kalenderjahr richten, scheint es dennoch immer wieder eine reizvolle wie ambitionierte Aufgabe, einen Rückblick und speziell einen Ausblick auf das kommende Jahr zu wagen.
Einstein soll einmal – passend in diesem Kontext – gesagt haben: „Man muss die Welt nicht verstehen, man muss sich nur darin zurechtfinden“. Als Berater in Sachen Vermögensaufbau, Altersversorgung, Geldanlage und Ruhestandsplanung ist es – im Rahmen der staatlich vorgegebenen Leitlinien – unser Bestreben, unseren Kunden die von diesen gewünschte Orientierung für Anlageentscheidungen zu geben.

Dabei stehen – wie vom Gesetzgeber vorgegeben – die Ziele sowie damit eng verbunden, die Laufzeiten der Anlage bzw. der Sparprozesse, die Risikoneigung und Risikotragfähigkeit sowie die finanziellen Verhältnisse der Kunden im Focus der Analyse und Beratung. Aus der jeweiligen diesbezüglichen Gemengelage jedes einzelnen Kunden gilt es für die individuellen Ziele Strategien zu erarbeiten und schriftlich festzulegen. In einem weiteren Schritt sind dann Überlegung anzustellen, mit welchen Maßnahmen und Instrumenten – also Spar- bzw. Anlageprodukten – die Strategien umzusetzen und die Ziele bestmöglich zu verfolgen sind. Wie die einzelnen Spar- bzw. Anlageprodukte funktionieren, hängt nun aber von den zukünftigen Entwicklungen der relevanten Bestimmungsgrößen ab – also

  • den Marktzinsen
  • den Inflationsraten
  • dem Wirtschaftswachstum
  • den Unternehmensgewinnen
  • der Beschäftigung bzw. Arbeitslosigkeit
  • den Bevölkerungsbewegungen
  • der Demographie
  • den Währungsparitäten

Während (fest-)verzinsliche Anlagen in erster Linie von den Marktzinsen abhängig sind, aber auch von der Bonität des Schuldners (Staaten, Banken, Unternehmen), wird der Goldpreis von Zinsentwicklungen, vom Vertrauen in die Wirtschaft, in die politische Stabilität und die der Währungen geprägt. Ohne eigenen Ertrag – kein Zins-, kein Dividenden-, kein Mietertag – ist der Goldpreis – abgesehen von kulturell-religiösen Einflüssen – ein Spiegelbild des Krisenempfindens, eine Risikowährung.
Die Immobilienpreise werden von allen vorstehend genannten Größen beeinflusst, insbesondere aber vom quantitativen und qualitativen Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Die Chance einer „immobilen“ Immobilie, zeitnah und mit geringen Kosten auf Angebots- und Nachfrageveränderungen zu reagieren, ist begrenzt.
Die Aktienkurse hängen auch 2017 ebenfalls von allen genannten Faktoren ab und werden weltweit in Echtzeit angepasst. So könnte man der Versuchung erliegen, die Einflussfaktoren vorherzusagen und damit die Entwicklung der Aktienkurse zu antizipieren.
Die Ergebnisse derartiger Vorhersagen für das kommende Kalenderjahr sind aus der Vergangenheit hinlänglich bekannt. Sie lagen in aller Regel gänzlich daneben – sind diese doch von den Entscheidungen von ca. 7 Milliarden Menschen, von ca. 200 Staaten, von diversen Zentralbanken, Finanz- und Wirtschaftsministern, vielen mehr oder weniger demokratischen Wahlen, von Diktatoren und deren Auswirkungen abhängig.

Aber ist dies – für eine strategische Anlageentscheidung – relevant? Ich denke, prinzipiell nein! Denn Aktien sind für Anlagedauern von einem Kalenderjahr für strategische Anleger das ungeeignete Anlagemedium! Aktieninvestments für diesen Anlagehorizont sind eher als Spiel, als Wette, als „Zocken“ zu titulieren.

Je länger jedoch der Anlagehorizont, desto sicherer das positive Ergebnis. So hat es in der Vergangenheit bei Laufzeiten jenseits der 20 Jahre keine Verluste gegeben. Auch hat keine andere Anlageklasse die Aktie in der Rendite geschlagen. 20 Jahre , eine für die Altersversorgung vergleichsweise kurze Laufzeit.
Muss dies – weil es in der Vergangenheit so war – auch in der Zukunft so sein? Nein, nicht, weil es in der Vergangenheit so war; aber es kann in unserer Marktordnung nur so sein , da das Unternehmertum der Kern, die Quelle jeden Wirtschaftswachstums ist und die Eigentümer – hier die Aktionäre – an der Quelle der Wertschöpfung beteiligt sind und – auf eine einzelne Firma gesehen – das unternehmerische Risiko tragen. Die verzinsliche Anlage versetzt den Anleger dagegen in die Position des Gläubigers, eröffnet dem Schuldner, in der Form des Unternehmers, die Chance auf gewinnträchtige Investitionen, als Staat die Möglichkeit der Haushaltsfinanzierung, als Bank den Weg zu lukrativeren Geschäftsfeldern – auch zur Finanzierung von Bau und Kauf von Immobilien.

Während für langfristige Anlage- und Sparprozesse intelligente Investments in unternehmerische Beteiligungen das Medium sind – und eben nicht die verzinsliche Anlage –, ist die verzinsliche Anlage auch in der heutigen Zinslandschaft das Medium für die kurzfristige Anlage. Insofern ist eine Rückschau mit all Ihren bewegenden, teilweise unverständlichen oder auch schockierenden Ereignissen – wie Naturkatastrophen, Terroranschlägen, Kriegen, unerwarteten Zins- und Kursentwicklungen, Wahlergebnissen etc. – kein guter Ratgeber für die Zukunft, schon gar nicht für die Dauer eines Jahres, so auch für das ins Haus stehende Jahr 2017.
Zudem sind Vorhersagen für das neue Kalenderjahr irrelevant für strategische Anlageentscheidungen, sondern schlicht eine Hochrechnung auf Basis der jeweils aktuellen, täglich sich verändernden Datenlage.

Ziel meiner Ausführungen war es, ein wenig von den mehr oder weniger dramatischen tagesaktuellen Meldungen und deren vergänglichen Einflüssen abzulenken und den Fokus auf den elementaren Zusammenhänge zu richten.
In diesem Kontext wünsche ich Ihnen ein frohes, friedvolles Weihnachtsfest mit der Familie und/oder Freunden, erholsame glückliche Tage und einen guten Rutsch in ein gesundes, erbauliches, erfolgreiches neues Jahr 2017 – mit vielen richtigen privaten wie beruflichen Entscheidungen.

Ihr Wolfgang Bruger